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Visitenkarte – heute immer noch?

Visitenkarte – heute immer noch?

07.09.2015.

Das Gesicht aschfahl, Schweiß auf der Stirn, zitternde Hände – und dann fällt Patrick Bateman Paul Allens Visitenkarte aus der Hand: Er hat den Kampf um die edelste Karte verloren. Für den Zuschauer sind es kaum erkennbare Nuancen, für Bateman eine Demütigung, die er nur ausradieren kann, indem er Allen ausradiert. Wegen einer Visitenkarte?

Einst diente die Visitenkarte – daher ihr Name – dazu, den eigenen Besuch in hohen Häusern anzukündigen: Der Diener erhielt die Karte und übergab sie seinem Herrn. Dabei konnte ein spezieller Knick den jeweiligen Anlass des Besuches zeigen (und ermöglichte es nebenbei, die Karte leichter vom Tablett aufzunehmen). Heute wird die Visitenkarte vor allem zwischen Geschäftsleuten ausgetauscht, wenn diese sich erstmals treffen. So werden Kontaktdaten – und diskret die eigene Position im Unternehmen – mitgeteilt.

Das allerdings spielt heute eigentlich kaum noch eine Rolle – per LinkedIn, Xing & Co., über hippe Business-Apps oder (auch schon fast altbacken) per E-Mail-Footer und auf anderen elektronischen Wegen lassen sich diese Daten viel schneller und unkomplizierter übermitteln, einfacher aktualisieren („Meine Telefonnummer hat sich geändert – wann werden wieder neue Visitenkarten gedruckt?“) sowie vom Empfänger noch leichter speichern und nutzen. Ist die Zeit der Visitenkarte also vorbei? Ist der Austausch zwischen Anzugträgern eine antiquierte Sitte, als welche sie manch junger Businessmensch naserümpfend ablehnt?

Nein, die Visitenkarte stirbt einfach nicht aus – im Gegenteil: Hat man zum entsprechenden Anlass keine dabei, ist dies stets mindestens ein Grund, sich zu entschuldigen, wenn nicht sogar zu schämen. Sie spielt eine zwar gewandelte, aber immer noch wichtige Rolle im Multichannel-Theater des Networkings – und hat deshalb noch lange nicht ausgedient:

Erstens hält sie, etwa beim ersten Meeting, dem Gegenüber den eigenen Namen und andere wichtige Daten präsent – eine freundliche Erleichterung nicht nur für Menschen mit schlechtem Kurzzeitgedächtnis oder chronischer Unfähigkeit, Namen akustisch zu verstehen.

Zweitens transportiert sie über Gestaltung und Material das eigene Image sowie das des Unternehmens – und nicht zu knapp. Deshalb lohnt es sich, den einen oder anderen Gedanken mehr daran zu verwenden. Man muss zwar nicht um jeden Preis auffallen, aber die weiße 120-Gramm-Standardkarte mit schwarzem Text in Times New Roman aus dem Bahnhofsautomaten erledigt diesen Job sicher nicht optimal.

Denn Drittens macht eine schicke Visitenkarte – wie jedes schicke Printprodukt – einfach etwas her. Oder mit Internetpionier und Amazon-Chef Jeff Bezos gesprochen – auf die Frage, warum er die altehrwürdige „Washington Post“ gekauft habe –: „It’s nice to have one.“

Paul Allen starb, weil er die edelste Karte hinlegen konnte – wenn man es nicht gerade mit Psychopathen zu tun, sollte einem das nicht passieren. Aber geschäftlich kann es im einen oder anderen Fall wenn nicht tödlich, so doch zumindest schmerzhaft sein, ohne vorzeigbare Visitenkarte dazustehen. Oder um eine Redewendung zu doppeln: Im entscheidenden Moment ist Ihre Visitenkarte die Visitenkarte Ihres Unternehmens.

Dabei zählt übrigens auch die Art der Übergabe und der Annahme – hier ist es dringend angeraten, sich ggf. über regionale Gebräuche zu informieren. Sonst kann man auch mit der edelsten Karte den Business-Tod sterben.

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Mitarbeiter des Majuntke Teams veröffentlichen in regelmäßigen Abständen Beiträge zum Thema Vertrieb und Business Development.